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Aus Gedenken wird Spurensuche – Gemeinde Kelberg sucht Zeitzeugen der Bombardierung vom 16. Januar 1945

Die Gemeinde Kelberg/Vulkaneifel gedachte im Januar den Opfern des Bombenangriffs des Jahres 1945. Ein Schulprojekt und eine Gedenkfeier sollten die Erinnerung an die Zerstörung Kelbergs und die Schrecken des Krieges erinnern. Im Laufe der Jahre konnte Kontakt zu mehreren Veteranen hergestellt werden, die als junge Soldaten die Bombardierung des Ortes miterlebt hatten und von den Geschehnissen berichten konnten. Nun suchen die Initiatoren der Gedenkfeier weitere Zeitzeugen, um deren Erinnerungen festhalten zu können.

Bildunterschrift: Mit den Namen der Opfer beschriftete Kerzen während der Gedenkfeier in Kelberg (Bild: Astrid Schneider / Kelberg)

Die Opfer nicht als anonyme Masse sehen, sondern als einzelnen Menschen – diesem Leitsatz folgte die Gedenkfeier anlässlich des Jahrestages der Bombardierung Kelbergs in der Eifel. Die Organisatoren - darunter Ortsbürgermeister Wilhelm Jonas und Astrid Schneider von der Arbeitsgruppe „Erinnerung 16. Januar 1945“ - hatten sich dazu etwas Besonderes einfallen lassen: eine Reihe Kerzen trug die Namen der bekannten Opfer. Nach der Verlesung der einzelnen Namen wurde die jeweilige Kerze entzündet und von den Angehörigen entgegengenommen. Eine große Kerze stand für die zahlreichen Soldaten, die während des Angriffs ums Leben kamen und auf der Kriegsgräberstätte auf dem Schwarzenberg bei Kelberg ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten. Insgesamt kostete der Luftangriff 58 Menschen das Leben; darunter 18 Einwohner der Gemeinde. Im Vorfeld der Gedenkfeier wurde bereits in Kooperation mit der örtlichen Realschule plus ein Zeitzeugengespräch organisiert, in dessen Verlauf mehrere Bürger Kelbergs den Schülerinnen und Schülern ihre Erlebnisse während des Angriffs schilderten.

Das die mit knapp 1.000 Einwohnern eher kleine Gemeinde Kelberg im Januar 1945 überhaupt angegriffen wurde, lag nicht etwa an dem Vorhandensein von Rüstungsindustrie oder kriegswichtigen Bauten. Der kleinen Eifelgemeinde wurde ihre besondere Lage zum Verhängnis, da sich in Kelberg mehrere gut ausgebaute Straßen kreuzten. Während der deutschen Ardennenoffensive auf die amerikanischen Truppen in Belgien und Luxemburg dienten diese Straßen der Wehrmacht als wichtige Versorgungsrouten, wodurch dem kleinen Eifelstädtchen plötzlich eine große strategische Bedeutung zukam. Nach einer längeren Schlechtwetter-Periode nutzte die amerikanische Luftwaffe Mitte Januar 1945 die Gelegenheit, die deutschen Nachschubrouten in der Eifel anzugreifen. Kelberg maß man dabei eine so große Bedeutung zu, dass fast 40 mittlere Bomber für den Angriff eingesetzt wurden. Am 16. Januar war Kelberg mit Soldaten und Kriegsgerät nahezu überfüllt; so war beispielsweise die örtliche Schule mit über 100 Soldaten belegt.

Als gegen 13:00 der Luftangriff begann, wurde die Schule direkt getroffen. Der Keller stürzte ein und begrub die dort schutzsuchenden Menschen unter sich. Dr. Erich H., während dieses schicksalhaften Tages als junger Soldat in Kelberg stationiert, berichtete:

„Durch diesen, in den rechten kürzeren Teil der Schule eingeschlagenen Treffer muß es im Keller schon Tote gegeben haben, denn ich hörte nichts mehr von den vielen Menschen, die sich in diesem Kellerteil aufgehalten hatten.“

Der Angriff, der in drei Wellen geflogen wurde, sorgte natürlich auch für zahlreiche Verwundete. Viele mussten  bis zum Einbruch der Dunkelheit ohne medizinische Versorgung in der Kälte ausharren, bis Sanitätskräfte aus den umliegenden Gemeinden eingetroffen waren. Der Angriff hatte große Teile des Ortskernes zerstört; eines der wenigen intakt gebliebenen Gebäude wurde als provisorische Leichenhalle benutzt. Erst zwei Jahre nach dem verheerenden Angriff wurde der letzte Leichnam bei Räumarbeiten unter dem Schutt gefunden. 

Der Luftangriff vom 16. Januar 1945 ist tief im Gedächtnis der Kelberger Bevölkerung eingeprägt. Die ehrenamtliche Initiative „Erinnerung 16.Januar 1945“ hat sich zum Ziel gesetzt, die Erinnerung an die Opfer zu bewahren und weiterhin die Schrecken des Krieges als Mahnung für ein friedliches Miteinander aufzuzeigen. Zeitzeugen des 16. Januar 1945 - insbesondere Veteranen, die sich an diesem Tag als Soldaten in Kelberg befanden - werden gebeten, sich an die Verbandsgemeinde Kelberg oder Frau Astrid Schneider zu wenden.

 

Kontakt:

Verbandsgemeinde-Verwaltung Kelberg

Tel. 02692 – 87 20

 

oder:

Frau Astrid Schneider / Arbeitsgruppe „Erinnerung 16. Januar 1945“

Tel. 02676 – 391

eMail: astrid.schneider@berenbach.de

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